Das Paradies ist ein Garten
Unser Spaziergang durch die Gartengeschichte beginnt an einem mythischen Ort: im Paradies. Damit assoziieren wir zuerst einmal das biblische Paradies, in dem Adam und Eva den berühmten Apfel verspeisten. Wenn Sie sich diesen Ort bildlich vorstellen, sieht es dort wohl aus wie in einem Garten. Und tatsächlich steht in der Bibel "Parades" für Garten. Doch nicht nur die jüdisch-christliche Tradition kennt einen Garten Eden. Auch im Islam gibt es einen solchen Ort, und es ist wohl kein Zufall, daß der Islamische Garten (dazu in Kürze mehr) als irdische Vorstufe zum Paradies gilt.
In Wahrheit ist aber der Mythos des Paradieses noch viel älter. Das Wort Paradies stammt vom altpersischen pairidaeza ab, was sich aus pairi, "rundherum" und daeza, "Mauer", zusammensetzt. Das Paradies wird also rundherum von einer Mauer begrenzt, was stark an die Bedeutung von "Garten" (= eingehegter Platz, siehe Die ersten Gärten) erinnert. Der Grieche Xenophon, der das Wort als erstes erwähnte, übersetzte es als paradeisos ins Griechische.
Wie eng der Garten mit dem Paradies verbunden ist, beschreibt wohl keiner besser als die berühmte Gartenarchitektin Penelope Hobhouse:
"Gelingt es uns, einen idealen Garten zu schaffen, so nennen wir ihn vielleicht unsere "Oase", weil wir darin Zuflucht vor den Widrigkeiten der Welt finden. Oder bezeichnen ihn als unser "Paradies". Metaphern, die wir den gartenbaulichen Bemühungen ältester Zivilisationen entlehnen, in deren Fußstapfen wir in gewissem Sinne noch stets wandeln und deren früheste Gedanken und Handlungsweisen uns eigentümlich vertraut anmuten." |
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